SELBST. BESTIMMT.

Handbuch für Berliner Schülervertreter_innen

Einleitung

Themen der SV

Das 1x1 der SV Arbeit

Die Arbeit der SV

Demokratie und Schule

Service

Wozu eigentlich Schüler_innenvertretungsarbeit? Was bedeutet Schüler_innenvertretung (SV)?
Ganztagsschule, Notenstress, nachmittags zum Training und dann noch abends lernen oder Hausarbeiten erledigen – wo bitte soll da noch Platz sein, um sich in der Schüler_innenvertretung (SV) zu engagieren? Was bringt das überhaupt? Macht man sich doch eh nur unbeliebt bei den Lehrer_innen und letztendlich läuft es dann nur auf Partyorganisation hinaus?! „Schüler_innenvertretung“ – das sagt ja das Wort ja bereits – kann mehr sein als nur das. Sie kann die Interessen der Schüler_innen vertreten. Wer also Lust darauf hat, an der eigenen Schule etwas zu verändern, für den ist die SV der richtige Ort. An manchen Schulen existiert die SV leider nur pro forma oder wird gar nicht erst gegründet. Richtig informiert und gut umgesetzt ist die SV eine Institution, an der weder Schulleitung noch Lehrer_innen vorbeikommen. Was hat Schüler_innenvertretung mit Demokratie zu tun?
Schule ist nicht nur ein kleiner Mikrokosmos in sich mit eigenen Regeln, Machtstrukturen und Mechanismen. Sie ist auch ein Spiegel der Gesellschaft, in der wir leben. Sowohl Schule als auch der Staat basieren darauf, dass die Schüler_innen bzw. die Einwohner_innen sich aktiv an der Gestaltung des Zusammenlebens beteiligen, sich selbst und ihre Vorstellungen einbringen und damit gemeinsam an einer besseren Gesellschaft arbeiten. Letztendlich gilt meistens für die Schule in klein, was für unsere Demokratie auch in groß auch gilt: Wer Mehrheiten, zum Beispiel in der Schulkonferenz, für seine Ziele organisieren kann, setzt seine Vorstellungen durch. Minderheiten müssen zumindest die Chance haben, ihre Meinung offen zu äußern, und Demokratie sorgt dafür, dass alle respektvoll und offen miteinander umgehen können. Wozu Interessenvertretung an der Schule?
Die Schule als Lebensmittelpunkt aller jungen Menschen ist der ideale Ort, um politische Interessenvertretung zu üben, gemeinsam eine Gesellschaft zu gestalten und seine Meinung auch gegen Widerstände zu bilden und zu vertreten. Schule als Teil der Gesellschaft führt junge Menschen auch an gesellschaftspolitisches Engagement heran, was heute ein wichtiger Teil unserer Demokratie ist. Die Väter und Mütter unserer Verfassung haben bestimmte demokratische Leitlinien festgelegt, damit alles nach dem Rechten verläuft. Zu diesen gehören beispielsweise das Recht auf freie Meinungsäußerung und die politische Versammlungsfreiheit. Im Zuge von bildungspolitischen Auseinandersetzungen wurden seit Beginn der 1970er Jahre Schüler_innenvertretungen mit fixierten Rechten in den Schulgesetzen der Bundesländer verankert. Wozu soll ich mich engagieren?
Aktive und streitbare Schüler_innenvertretungen sind manchmal nicht die beliebtesten Schüler_innen bei der Schulleitung. Warum also solltest gerade Du Deine Zeit in etwas investieren, was nach Stress und Arbeit klingt? Die Antworten auf diese Frage sind genauso vielfältig wie die Möglichkeiten, die eine gut funktionierende SV hat. Zuerst: Es kann riesigen Spaß machen, gemeinsam mit anderen für Sachen zu kämpfen, die dann tatsächlich auch umgesetzt werden. Anerkennung dafür gibt es nicht nur von den Mitschüler_innen, sondern oft genug auch von beeindruckten Lehrer_innen ... und den anderen kann man ein Schnippchen schlagen – auch das bereitet Freude. Zudem bringt SV-Arbeit Kompetenzen und Kontakte, die einem auch später im Leben sehr hilfreich sein können. Selbstvertrauen, sich und seine Überzeugungen vor anderen Menschen zu präsentieren, Mut, die eigene Meinung auch gegen Widerstände zu verteidigen, den Überblick bei größeren Projekten behalten, Zusammenarbeit in Gruppen. Die Arbeit in der SV vermittelt Wissen, das man im Unterricht nicht lernt, und Fähigkeiten, die einem auch im späteren Berufsleben sehr hilfreich werden können. Natürlich ist die Schulwirklichkeit nicht immer so einfach und klar. Oft genug wird die Mitwirkung von Schüler_innen ausgebremst oder SVen legen ihre Rechte nicht weit genug aus. Mit ein bisschen Mühe und engagierten Schüler_innen kann sich jedoch trotzdem etwas ändern. Nicht zuletzt kann man selbst ganz konkret daran arbeiten, die persönliche (Schul-)Situation zu verbessern und eigene Wünsche aktiv umzusetzen. Also: Worauf wartet Ihr noch? Machen statt meckern ;) Aufgaben von Klassensprecher_innen Zu Beginn jedes Schuljahres haben alle Schüler_innen in Berlin ab der 3. Jahrgangsstufe eine wichtige Aufgabe: Jede Klasse hat das Recht, zwei gleichberechtigte Klassensprecher_innen zu wählen. Bestehen in einer Jahrgangsstufe keine Klassenverbände, wählen die Schüler_innen für jeweils 25 Schüler_innen aus ihrer Mitte zwei gleichberechtigte Jahrgangssprecher_innen. Diese Wahlen müssen bis spätestens einen Monat nach Beginn des neuen Schuljahrs stattgefunden haben. Alle Klassensprecher_innen sowie Jahrgangssprecher_innen bilden die Gesamtschülervertretung ( Welche Rechte haben Schüler_innen und ihre gewählte Schüler_innenvertretung?). Da es bei den Klassensprecher_innenwahlen nicht darum geht, wer gerade der Coolste in der Klasse ist, sondern darum, Interessen von Mitschüler_innen zu vertreten und sich dafür einzusetzen, wie die Schule in Eurem Sinne gestaltet werden kann, ist es sinnvoll, gut organisierte Klassensprecher_innenwahlen durchzuführen ( Klassensprecher_innenwahlen), sodass wirklich engagierte Schüler_innen gewählt werden können. Um einen Eindruck vom Amt zu bekommen, können die Klassensprecher_innen des letzten Jahres einen kleinen Erfahrungsbericht ihrer Arbeit geben. Klassensprecher_innen haben das Recht, für die Vorbereitung und Teilnahme an Sitzungen freigestellt zu werden. Außerdem habt Ihr das Recht, nach Absprache mit den Klassenlehrer_innen mindestens eine Stunde pro Monat zur Besprechung der Anliegen der Schüler_innen zur Verfügung gestellt zu bekommen. Mögliche Aufgaben
Oft sollen Klassensprecher_innen Dinge machen, die gar nicht in den Aufgabenbereich fallen. Dies kann Schüler_innen schon vorher davon abhalten, sich um das Amt zu bewerben. Daher sind folgend einmal die Aufgaben und die Dinge, die man nicht tun muss, aufgelistet. Hier findet Ihr auch eine Liste von Aufgaben, die Klassensprecher_innen übernehmen können. Diese ist eine Anregung, um Euch ein Bild zu geben, was diese sein können. Sprecht am Besten mit der ganzen Klasse vor der Wahl darüber, welche Aufgaben Eure Klassensprecher_innen übernehmen sollen und welche nicht. Nach dieser gemeinsamen Definition können sich dann alle überlegen, ob sie für das Amt kandidierten wollen. Die_Der Klassensprecher_in ... vertritt die Interessen der Schüler_innen der Klasse;
gibt Anregungen, Vorschläge und Wünsche einzelner Schüler_innen oder der ganzen Klasse an Lehrer_innen, Schulleitung oder Elternvertreter_innen weiter;
trägt Beschwerden und Kritik den Lehrer_innen vor;
unterstützt einzelne Schüler_innen in der Wahrnehmung ihrer Rechte;
vermittelt bei Streit unter Schüler_innen;
vermittelt bei Schwierigkeiten zwischen Klasse und Lehrer_in;
nimmt an Treffen der Gesamtschülervertretung (GSV) teil;
informiert die Klasse über Aktivitäten der GSV;
wirkt bei Aufgaben mit, die die GSV sich selbst stellt;
behält Projekte im Blick, die die Klasse und die GSV plant. Die_Der Klassensprecher_in muss nicht ... der verlängerte Arm des_der Klassenlehrer_in sein;
Aufpasser_in in der Pause sein;
die_der sein, der_die alles alleine machen soll;
die_der sein, die_der alle Probleme lösen kann;
eine_r sein, die_den gewählt und dann im Stich gelassen wird;
dafür zu sorgen, dass die Klasse ruhig ist (das ist immer noch Sache der Lehrer_innen);
für Lehrer_innen, die die Klasse aus welchen Gründen auch immer eine Weile alleine lassen, die „Störenfriede“ aufzuschreiben;
sich von den anderen undankbare Tätigkeiten, wie Ordnungsdienst o. Ä.,
aufs Auge drücken zu lassen.

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