SELBST. BESTIMMT.

Handbuch für Berliner Schülervertreter_innen

Einleitung

Themen der SV

Das 1x1 der SV Arbeit

Die Arbeit der SV

Demokratie und Schule

Service

Welche Rechte haben Schüler_innen und ihre gewählte Schüler_innenvertretung? Die Schule ist ein Ort, an dem in aller Regel von den Pflichten und Aufgaben von Schüler_innen gesprochen wird. Mit denen sind die meisten Schüler_innen auch gut vertraut. Doch wie sieht es eigentlich mit den Rechten von Schüler_innen aus? Welche gibt es, wie kann man sie herausfinden und wie kann man sich für die Interessen und Mitbestimmungsrechte von Schüler_innen einsetzen? Wenn man vor einem konkreten Problem steht, sollte man im Berliner Schulgesetz nach Hilfestellungen suchen, zumal selbst unnachgiebige Lehrer_innen und Schulleiter_innen schlecht gegen die ihnen vorgelegten Paragraphen aus dem Schulgesetz argumentieren können. Dies kann manchmal etwas Überwindung kosten, erweist sich meistens aber als sehr nützlich und wirkungsvoll. Im Folgenden soll ein Einblick in die Rechte von Schüler_innen anhand des Berliner Schulgesetzes (SchulG) gegeben werden. Dieses Schulgesetz gilt für alle öffentlichen Schulen von der Grund- bis hin zur Berufsschule. Rechte von Schüler_innen Schüler_innen haben folgende Rechte: * über die Unterrichtsplanung informiert zu werden und in einem gewissem Rahmen an der Gestaltung des Unter- richts und sonstiger schulischer Veranstaltungen beteiligt zu werden (§ 46 Abs. 3).
* ein Informationsrecht (§ 47 Abs. 1), laut welchem ihnen Kenntnis und Beratung über alle grundsätzlichen und wichtigen Schulangelegenheiten zustehen. Besonders wichtig ist hier die Information über die Grundsätze der Leistungsbeurteilung und der Notengebung. Diese Informationsrechte können zu Beginn eines jedes Schulhalb- jahres von allen in der Klasse tätigen Lehrer_innen abgefragt und eingefordert werden, die diese dann ent- sprechend erfüllen müssen. * Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit (§ 48), das jedoch gegebenenfalls durch den_die Schuleiter_in bei recht- lichen Bedenken eingeschränkt werden darf. Ihr könnt natürlich die Materialen außerhalb des Schulgeländes verteilen, sofern diese nicht gegen Recht verstoßen.
* Recht auf Vereinigungsfreiheit (§ 49), d. h. Schüler_innengruppen in der Schule gründen zu können.
* mindestens eine Stunde im Monat für die Beratung von Angelegenheiten der Schüler_innen und der Schüler_in- nenvertretung zu nutzen. Diese werden in der Unterrichtszeit der Klassenlehrer_innen durchgeführt und müssen rechtzeitig bei ihnen mündlich beantragt werden (§ 84 Abs. 2). Hinweis Woher weiß mein_e Lehrer_in, was im Unterricht behandelt wird, und habe ich das Recht, Einblick zu bekommen?! Damit an den Schulen nicht völlig unterschiedliche Inhalte im Unterricht vermittelt werden, gibt es Lehrpläne für jedes Unterrichtsfach, die Schritt für Schritt immer genauer werden. Zuerst treffen sich aus jedem Bundesland Fachleute, die einen Rahmenlehrplan für das Fach erstellen. Daraus erstellen dann Berliner Lehrer_innen einen Rahmenplan, der für alle Berliner Schulen gültig ist. Dieser Rahmenplan landet nun an Deiner Schule in der Fachkonferenz für das entsprechende Schulfach, z. B. Deutsch, Sozialkunde oder Mathematik. Hier wird nun der Stoffverteilungsplan erarbeitet, den alle Lehrer_innen, die das Fach unterrichten umsetzen müssen. Der_Die Lehrer_in, der_die nun in Deiner Klasse unterrichtet, macht nun für sich aus dem Stoffverteilungsplan der Schule ihren Arbeitsplan für das Fach und das Schulhalbjahr. Nach diesem Arbeitsplan könnt Ihr zu Beginn eines jeden Schulhalbjahres Eure Lehrer_innen fragen und sie bitten, diesen Euch vorzustellen. Dies ist Euer Recht nach § 47 Abs. 1 Satz 4. Inhalt des Arbeitsplans sind auch die Anzahl und Themen der Klassenarbeiten. Am besten liegen für jedes Fach diese Arbeitspläne im Klassenbuch, dann weiß sogar ein_e Vertretungslehrer_in, was behandelt werden soll, sollte der_die Fachlehrer_in mal fehlen. Klassensprecher_innen und ihre Rechte
In jeder Klasse werden nach § 84 des SchulG ab Jahrgangsstufe 3 zwei Klassensprecher_innen und ab Jahrgangsstufe 7 zwei Vertreter_innen für die Klassenkonferenz gewählt. In der Praxis gehen die Klassensprecher_innen auch zu den Klassenkonferenzen. An Gymnasien werden für die 11., 12. und 13. Jahrgangsstufe je ein_e Sprecher_in und ein_e Stellvertreter_in für 15 Schüler_innen auf einer Versammlung der ganzen Oberstufe gewählt. Sonst gelten auch hier die Tipps für die Klassensprecher_innen. Die gewählten Klassensprecher_innen versammeln sich in der Gesamtschülervertretung (GSV). Die Klassensprecher_innen müssen vom Klassenlehrer für die Vorbereitung und die Teilnahme an Sitzungen freigestellt werden (§ 84 Abs. 2). Außerdem nehmen die Klassensprecher_innen an der Klassenkonferenz mit vollem Rede-, Antrags- und Stimmrecht teil. Dies ist besonders für den Bereich der Ordnungsmaßnahmen gegen einzelne Schüler_innen interessant (§ 63). Nur bei den Zensuren- und Zeugniskonferenzen sind die Klassensprecher_innen nicht dabei. (§§ 81 und 82 (5). Werden zu den Klassenkonferenzen die Klassensprecher_innen nicht ordentlich eingeladen, kann den Beschlüssen dieser Konferenzen widersprochen werden. Methode: Wer wird SV-Recht Profi? – Spiel, das einem Quiz ähnelt und genau so aufgebaut werden kann. Die Fragen beziehen sich auf Wissen über SV-Recht. In Gruppen, in Zweierteams oder einzeln müssen die Teilnehmenden die Fragen beantworten. Am Ende hat ein Team bzw. eine Person gewonnen und ist somit „SV-Profi“. Das Quiz selbst kann aufgebaut sein wie „Wer wird Millionär?“, kann aber auch an andere Quiz-sendungen oder Kinder-Quiz-Spiele („eins, zwei oder drei“) angelehnt sein. Wichtig ist, dass niemand das Gefühl bekommt, doof zu sein oder zu wenig zu wissen. Das Spiel eignet sich nur für Gruppen, die ein bisschen Vorwissen haben und nicht zu heterogen sind. Die Gesamtschülervertretung (GSV)
An jeder Schule bilden die Klassensprecher_innen der Sekundarstufen I (7-10. Klasse) und II (11.-13. Klasse) die Gesamtschüler_innenvertretung. Der_Die Schulsprecher_in oder die Stellvertreter_innen laden die Gesamtschüler_innenvertretung ein. Mitglieder der GSV sind außer den Klassensprecher_innen jeweils zwei Mitglieder der Gesamtelternvertretung (GEV) und der Gesamtkonferenz (GK) und die gewählten Vertrauenslehrer_innen. Diese haben jedoch alle nur beratende Stimme. Auf Wunsch der GSV sollen der_die Schulleiter_in an den Sitzungen der GSV teilnehmen (§ 85 Abs. 5). Die GSV: darf während der Unterrichtszeit zweimal im Monat für jeweils zwei Schulstunden stattfinden (§ 85 Abs.3 und 5). Es ist nicht erforderlich, aber ratsam, dass der Sitzungstermin im Einvernehmen mit der Schulleitung festgelegt wird. ist die Interessenvertretung der Schülerschaft gegenüber den Schulbehörden. Sie übt die Mitwirkungsrechte der Schüler_innen aus (§ 83) und niemand darf wegen seines Engagements in der SV benachteiligt werden (§ 83 Abs. 3). wirkt bei der Verwirklichung der Bildungs- und Erziehungsziele der Schulen aktiv und eigenverantwortlich mit. kann selbst gestellte Aufgaben in eigener Verantwortung durchführen und zu bildungspolitischen Fragen Stellung nehmen (§ 83 Abs. 2). der_die Schulleiter_in kann Veranstaltungen der GSV nur verweigern wenn zu erwarten ist, dass die Veranstaltung gegen Rechtsvorschriften verstößt (§ 83 Abs. 4). hat in Berlin ein bildungspolitisches Mandat, d. h. Ihr könnt Euch zu allen bildungspolitischen Fragen und Themen äußern. Die GSV wählt: (   So long. So long. Beispielablauf eines SV-Jahres) vier Mitglieder der Schulkonferenz
zwei Mitglieder des Bezirksschülerausschusses
zwei beratende Mitglieder für die Gesamtelternvertretung und die Gesamtkonferenz und gegebenenfalls beratende Mitglieder für weitere Teilkonferenzen (§ 85 Abs. 4)
bis zu drei Vertrauenslehrer_innen (§ 85 Abs. 6)
ggf. Mitglieder für den Finanzausschuss Der_Die Schulsprecher_in
Der Schulsprecher oder die Schulsprecherin sowie bis zu drei Stellvertreter_innen werden von allen Schüler_innen einer Schule gewählt. (§ 85 Abs. 3). Es empfiehlt sich, sich gleich als Team wählen zu lassen, damit nicht alle Aufgaben an einer Person hängen bleiben (   Schülersprecher_in wählen und SV-Vorstand bilden).
Aufgaben des Schulsprechers/der Schulsprecherin und deren Stellvertreter_innen (des SV-Vorstands) sind die Einberufung und Leitung der Sitzungen der GSV sowie die Sicherung der Durchführung der Beschlüsse der GSV. Sie vertreten die Interessen der Schülerschaft gegen über der Schulleitung, der Elternschaft und der Schulverwaltung.
Der_Die Schulleiter_in muss, gemäß § 85 Abs. 5, die Schulsprecher_innen spätestens zwei Wochen nach ihrer Wahl zu einem gemeinsamen Gespräch über alle wichtigen schulischen Angelegenheiten einladen. (  Schülersprecher_in wählen und SV-Vorstand bilden) Vollversammlung (VV)
Die Vollversammlung ist die Versammlung aller Schüler_innen einer Schule. Sie ist die größte und wirkungsvollste Möglichkeit, Eure Anliegen mit anderen zu besprechen. Ihr könnt dort über aktuelle Aktivitäten informieren oder z. B. alle über ein Thema für Projekttage abstimmen lassen. Lasst Euch nicht von räumlichen Hindernissen, z. B. dass nicht alle in die Aula passen, davon abhalten – dann die Klassenstufen in Jahrgangsversammlungen nacheinander! Die VV darf zweimal im Halbjahr während der Unterrichtszeit für zwei Stunden stattfinden. Zusätzliche Versammlungen müssen von der Schulkonferenz genehmigt werden (§ 85 Abs. 7). Es ist nicht erforderlich, dass der Termin im Einvernehmen mit dem_der Schulleiter_in festgelegt wird. Wenn die GSV also eine VV durchführen will, so muss ihr das, so die räumlichen Gegebenheiten vorhanden sind, genehmigt werden. Hinweis Beratende Stimme im Berliner Schulgesetz = Rede- und Antragsrecht
Oft ist im Berliner Schulgesetz der Begriff „Beratende Stimme“ zu lesen. Das bedeutet mehr Rechte als der Begriff verspricht. Nach § 116 Abs. 2 haben beratende Mitglieder eines Gremiums „Rede- und Antragsrecht“, nur mitstimmen dürft Ihr nicht. Schulkonferenz Die wichtigsten Mitbestimmungsrechte für Schüler_innenvertretungen gibt es in der Schulkonferenz. Nach dem
SchulG ist die Schulkonferenz das oberste Beratungs- und Beschlussgremium der Schule (§§ 75 und 76).
Die Schulkonferenz setzt sich aus vier Schüler_innen, vier Eltern, vier Lehrer_innen, dem_der Schulleiter_in und einer externen Person zusammen (§ 77 Abs. 1). Alle diese Mitglieder haben Stimmrecht. Schüler_innen haben in der Schulkonferenz zwar die Möglichkeit, an zentralen Entscheidungen mitzubestimmen, dennoch haben sie selbst bei wichtigen Entscheidungen, welche mit Zweidrittelmehrheit beschlossen werden, allein keine Chance, ein Projekt abzulehnen, geschweige denn eines durchzusetzen. Die Schulkonferenz beschließt unter anderem über:
die Grundsätze der Verteilung von Personal- und Sachmitteln
über den Vorschlag für die Bestellung des_der Schulleiter_in
die Hausordnung
das Schulprogramm den Unterrichtsbeginn. (§ 76 Abs. 1 und 2) Methode: Rollenspiel – Eine spielerische Art, SV-Recht zu erarbeiten. Wie bei einem üblichen R. schlüpfen die Teilnehmer_innen in unterschiedliche Rollen; beispielsweise in die Rolle der Schulleitung oder der Schüler_innenvertretung. Dabei stellt die Moderation ein Problem (zum Beispiel: die Direktorin möchte Euch für Eure SV-Arbeit nicht vom Unterricht freistellen). Die Teilnehmenden bekommen jeweils die Gesetzestexte, die sie für ihre Rollen benötigen, und müssen diese durchstöbern. Nach einer Recherchephase müssen die beiden Parteien ihre Ansichten mithilfe der Gesetze vertreten. Danach findet eine Reflexion mit der gesamten Teilnehmer_innengruppe statt. Hinweis Finanzausschuss Jede öffentliche Schule in Berlin hat in der Regel einen Finanzausschuss. Das ist der Ort wo einmal im Jahr ausgehandelt wird, wie die finanziellen Mittel der Schule, die sie vom Senat bzw. Bezirk erhält, verwendet werden. Es handelt sich je nach der Schülerzahl um eine immerhin fünf- oder sechsstellige Summe. Die Mitglieder sind u.a. die Fachbereichsleiter (siehe auch Fachkonferenzen) die für ihr Fach jeweils den Bedarf anmelden und anschließend die Verteilung gemeinsam diskutieren. Das Ergebnis ist ein Entwurf, der der Schulkonferenz oder dem Schulleiter zur Abstimmung vorgelegt wird. Bis zur Einführung des Schulgesetztes im Jahr 2004 war der Finanzausschuss Sache der Lehrer_innen, dies hat sich geändert und der Finanzausschuss ist ein Gremium der Schulkonferenz, an dem auch Eltern und Schüler_innen mit Stimmrecht teilnehmen können. Am besten wählt Ihr zu Beginn des Schuljahres gleich die Mitglieder für den Finanzausschuss. Fragt aber vorher beim Schulleiter nach, ob an Eurer Schule wie vorher beschrieben gehandelt wird. Hinweis Das Schulgesetz Das Schulgesetz für das Land Berlin bildet die Grundlage für die Arbeit von Schulen und schulischen Gremien. Auch sind im Schulgesetz die Mitbestimmungs- und Informationsrechte der Schüler_innen innerhalb der Schule, auf Bezirks- und Landesebene geregelt. Allerdings bildet das Schulgesetz nur eine Grundlage und wurde in einigen Punkten durch Verordnungen ergänzt, die z. B. schulische Veranstaltungen oder auch die Durchführung von Prüfungen und Klassenarbeiten konkreter regeln. Das Schulgesetz und Rechtsvorschriften könnt Ihr in der Senatsverwaltung für Bildung bestellen oder online einsehen unter: http://www.berlin.de/sen/bildung/rechtsvorschriften/. Für Berufsschüler_innen gibt es einen nützlichen Kommentar zum Schulgesetz im Internet unter http://osz-gegen-rechts.de/uploads/media/Kenne_und_nutze_deine_Rechte.pdf. Zusammenfassung: Wer wählt wen? Weitere für die Schüler_innenvertretung wichtigen Gremien in der Schule Gesamtelternvertretung
Die Eltern der minderjährigen Schüler_innen einer Klasse bilden die Elternversammlung, welche zwei Vertreter_innen für die Gesamtelternvertretung wählen. An der Gesamtelternvertretung nehmen die von der GSV gewählten Schüler_innenvertretungen beratend teil. Hier könnt Ihr auch sagen, wo derzeit der Schuh der Schüler_innen drückt und ob es vielleicht Möglichkeiten oder Ideen gibt, wie Ihr gemeinsam mit den Eltern Probleme in der Schulkonferenz angehen und lösen könnt. Lehrer_innenkonferenzen
Hier ist zwischen Klassenkonferenzen, Fachkonferenzen und der Gesamtkonferenz zu unterscheiden. Die hierfür gewählten Schüler_innenvertretungen nehmen mit beratender Stimme; d. h. mit Rede- und Antragsrecht, an allen drei teil. Wenn Euch z. B. stört, dass das Englisch-Buch nie genutzt wird, Ihr es aber unbedingt kaufen musstet, könnt Ihr Euch hier nach Alternativen umschauen und die Fachkonferenz bitten, sich dem Problem anzunehmen. An der Gesamtkonferenz nehmen alle Lehrer_innen und Sozialpädagog_innen teil. Sie tagt mindestens dreimal im Jahr auf Einladung der Schulleitung. Für Schüler_innenvertretungen ist die Teilnahme deswegen interessant, weil dort viel über Vorgänge an der Schule und die Stimmung bei den Lehrer_innen zu erfahren ist. Zwei Schüler_innenvertretungen mit Antrags- und Rederecht nehmen daran teil.
Schüler_innenvertretung an Oberstufenzentren (OSZ) und Berufsschulen Rund 90 000 Schüler_innen besuchen die 35 Oberstufenzenten und 18 weiteren öffentlichen Berufsschulen in Berlin. Die Schüler_innen sind in der Regel zwischen 17 und 25 Jahre alt, aber es besuchen auch z. B. Umschüler_innen oder Studierende die OSZ, sodass hier Schüler_innen über 30 keine Seltenheit sind und auch zum Klassensprecher_innen gewählt werden. Eine Besonderheit der OSZ ist ihre Größe. Das OSZ Handel I besuchen z. B. über 6.000 Schüler_innen und Studierende. In der Regel lernen zwischen 1000 und 2000 Schüler_innen an einem OSZ. Deswegen gliedern sich diese in zumeist 4-5 Abteilungen, die normalerweise nach Art der Abschlüsse gebildet werden. Obwohl es sinnvoller wäre, die Schüler_innenvertretungen an OSZ und Berufsschulen wegen des Alters und der möglichen Abschlüsse den Studierendenvertretungen an den Fachhochschulen und Universitäten von ihren finanziellen und rechtlichen Möglichkeiten gleichzustellen, ist dem (noch) nicht so. Für die öffentlichen beruflichen Schulen gilt das Berliner Schulgesetz und damit die Rechtsvorschriften für die Schüler_innenvertretungen. Trotz der Größe der Einrichtungen, der Unterschiedlichkeit der Schüler_innen und der unterschiedlichen Präsenszeiten engagieren sich an vielen OSZ und Berufsschulen Schüler_innen erfolgreich und mit Spaß in der SV. Viele Schulleitungen freuen sich auch über das Engagement und eröffnen den Schüler_innenvertretungen sogar viele zusätzliche Möglichkeiten der Beteiligung. Und sollte dem an Eurem OSZ doch nicht so sein, obwohl es gerade an Berufsschulen um gute Lernbedingungen für Eure berufliche Zukunft geht, dann lohnt sich Euer Einsatz hier besonders. Schüler_innenvertretung an Oberstufenzentren (OSZ)
Die Schüler_innenvertretungen sind in Abteilungsschüler_innenvertretungen untergliedert, denen die Schüler_innenvertretungen der jeweiligen Abteilungen angehören. Die Abteilungsschüler_innenvertretungen wählen: zwei Abteilungssprecher_innen
je ein beratendes Mitglied für die Abteilungskonferenz der Lehrkräfte, die Abteilungselternvertretung und für Teilkonferenzen der Lehrkräfte Die Abteilungssprecher_innen bilden zusammen mit den Sprecher_innen der anderen Abteilungen die Gesamtschüler_innenvertretung (GSV). Diese wählt: die_den Schüler_innensprecher_in
bis zu drei Stellvertreter_innen.
für jede Abteilung jeweils eine_n Schüler_innenvertreter_in in die Schulkonferenz
eine_n Vertreter_in in den Schülerausschuss Berufsbildende Schulen
ggf. Mitglieder für den Finanzausschuss Hinweis Es kann allerdings sein, dass die Schüler_innenvertretung an deiner Schule anders aufgebaut ist, als in diesem Schaubild dargestellt. Diese Möglichkeit haben berufliche Schulen, wenn 2/3 der Mitglieder der Schulkonferenz dem Zustimmen und dies bei der Senatsverwaltung für Bildung beantragt haben. Schüler_innenvertretung in Fachschulen in einem OSZ Wenn eine Fachschule in einem OSZ eingegliedert ist, bildet diese eine Abteilungsstudierendenvertretung. Abweichend von der oben beschriebenen Regelung wird in dieser: ein_e Vorsitzende_r und drei Stellvertreter_innen gewählt.
zwei beratende Mitglieder in die Abteilungskonferenz (der Lehrkräfte). Vorsitzende und Stellvertreter_innen sind Mitglieder der Gesamtschüler_innenvertretung. Wenn in einer Fachschule der Unterricht in Semestergruppen und Klassen stattfindet, so sollen in der Abteilungskonferenz (der Lehrkräfte) aus beiden Unterrichtsformen Schüler_innen beratend teilnehmen. Schüler_innenvertretung in Fachschulen ohne OSZ-Anbindung Wenn eine Fachschule unabhängig von einem OSZ besteht, dann bilden die Studierendenvertreter_innen die Gesamtstudierendenvertretung. Es fällt also die Abteilungsschüler_innenvertretung weg. Die Gesamtstudierendenvertretung wählt dann die_den Studierendensprecher_in sowie drei Stellvertreter_innen. Außerdem werden vier Vertreter_innen in die Schulkonferenz, zwei beratende Vertreter_innen in die Gesamtkonferenz (der Lehrkräfte), zwei beratende Vertreter_innen in die Gesamtelternvertretung und je ein_e beratende_r Vertreter_in in die jeweiligen Teilausschüsse gewählt. Außerdem wählt die Gesamtstudierendenvertretung eine_n Vertreter_in in den Schüler_innenausschuss Berufliche Schulen. Vertretung in der Schulkonferenz Wie in den allgemeinbildenden Schulen auch, ist die Schulkonferenz das oberste Gremium. Sie setzt sich jedoch anders zusammen. Wir orientieren uns bei folgendem Beispiel an einem OSZ mit vier Abteilungen. Die Schulkonferenz besteht dann aus: dem_der Schulleiter_in
den vier Abteilungsleiter_innen
vier Lehrer_innen
vier Schüler_innenvertretungen
Vertreter_in der zuständigen Gewerkschaft und einem_einer der Arbeitgeber_innen Hinweis Unterstützung für Eure SV-Arbeit an OSZ und Berufsschulen könnt Ihr vom Projekt OSZ für Demokratie und Vielfalt bekommen. Im Internet unter www.osz-gegen-rechts.de zu finden.
Level up! – Schüler_innenvertretung in den Bezirken und Berlin Wozu brauchen Schüler_innenvertretungen diese Gremien?
Neben der SV an Eurer Schule engagieren und vernetzen sich Schüler_innen aus ganz Berlin auch darüber hinaus. So habt Ihr in den Gremien wie dem Bezirksschülerausschuss und dem Landesschülerausschuss die Möglichkeiten, weitreichend mitzuwirken, wenn es um die Vergabe von Geldern an Schulen oder die neuen Leitlinien für den Unterricht geht. Sie dienen dazu, dass die Stimme der Schüler_innen auf diesen Ebenen, auf denen wichtige Entscheidungen für die Schulen getroffen werden, gehört wird. Vor allen Dingen aber macht es Spaß, andere Menschen kennenzulernen, die sich auch in der SV einsetzen, und gemeinsam mit ihnen darüber zu reden, was Ihr an der Schule oder in der Bildungspolitik ändern wollt. (  So long. So long. Beispielablauf eines SV-Jahres)
(  Kapitel Demokratie und Schule) Bezirksschülerausschuss (BSA)
Er besteht aus den in der GSV gewählten Vertreter_innen – jeweils 2 pro Schule. Sie dienen laut Gesetz „der Wahrnehmung der Interessen der Schülerinnen und Schüler auf Bezirksebene“ (§ 110 SchulG). Daher gibt es auch in jedem Berliner Bezirk einen BSA! Auch dient der BSA zum Austausch und zur Vernetzung (  Vernetzung mit anderen Schüler_innenvertretungen) der SVen im Bezirk; warum also nicht ein schulübergreifendes Turnier organisieren oder beim guten SV-Konzept (  Schülersprecher_in wählen und SV-Vorstand bilden) der Nachbarschule abschauen? Dafür werden in den Bezirksschülerausschüssen wie an Eurer Schule verschiedene Ämter gewählt: ein_e Vorsitzende_r
zwölf Vertreter_innen für den Bezirksschulbeirat, zwei Vertreter_innen für den Landesschülerausschuss
ein_e Vertreter_in für den Landesschulbeirat Aufbau der Schüler_innenvertretung in Berlin Landesschülerausschuss (LSA)
Der LSA setzt sich aus den Vertreter_innen der Bezirksschülerausschüsse – je 2 pro Bezirk – und anderen Vertreter_innen mit beratender Stimme zusammen. Er hat die Aufgabe, die schulischen Interessen der Schüler_innen auf Landesebene gegenüber der Senatsverwaltung wahrzunehmen. Der LSA soll darüber hinaus „die Arbeit des Landesschulbeirats gemeinsam mit Landeslehrer- und -elternauschuss vorbereiten und koordinieren“ (§ 114). Um diese Aufgaben zu erfüllen, wählt der LSA aus seinen Reihen: eine Vorsitzende oder einen Vorsitzenden
drei Stellvertreter_innen weitere Ämter wie Bundesdelegierte oder Pressesprecher_in, die der LSA selbst festlegen kann Der LSA hat auch einen Internetauftritt (www.lsaberlin.de). Dort findet Ihr weitere Informationen zum LSA selbst sowie beispielsweise einen Leitfaden zur Berliner SV-Arbeit oder eine detaillierte Liste mit den Ansprechpartner_innen für SV-Arbeit in Eurem Bezirk. Bezirks- und Landesschulbeirat (BSB und LSB)
Der Bezirksschulbeirat besteht aus den gewählten Vertreter_innen der Bezirksschüler-, Lehrer- und Elternausschüsse. Er berät das Bezirksamt in Fragen des Schulwesens und ist ermächtigt, Vorschläge zu unterbreiten (§ 111).
Konkret heißt das: Hier könnt Ihr z. B. darauf einwirken, an welche Schulen mehr Geld für Baumaßnahmen, etwa für Toiletten, fließen soll. Der Landesschulbeirat setzt sich aus den zu diesem Zweck gewählten Vertreter_innen der Bezirksschülerausschüsse, des Beirates Berufliche Schulen und weiteren Vertreter_innen von Lehrer_innen, Eltern und verschiedener Interessengruppen zusammen. Er berät die für das Schulwesen zuständige Senatsverwaltung in Fragen der Entwicklung und der Unterrichts- und Erziehungsarbeit der Schulen (§ 115). Konkret heißt das: Hier könnt Ihr Forderungen an die Senatsverwaltung stellen.

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