SELBST. BESTIMMT.

Handbuch für Berliner Schülervertreter_innen

Einleitung

Themen der SV

Das 1x1 der SV Arbeit

Die Arbeit der SV

Demokratie und Schule

Service

Wie kann sich eine SV engagieren? Die Möglichkeiten der SV-Arbeit sind fast „unbegrenzt“. Alles war Euch an der Schule stört, kann zum Projekt der SV gemacht werden. Eine SV kann sich z. B. mit folgenden Themen beschäftigen Gestaltung der Schul- und Klassenräume
Vorschläge zur Verbesserung des Unterrichts
Konflikte zwischen Schüler_innen
Feste und Feiern
Projekttage der Schüler_innenvertretung
Vernetzung mit anderen Schüler_innenvertretungen
Rassismus und Rechtsextremismus
Mobbing und Gewalt
Probleme mit Lehrer_innen und Schulleitung ( So long. So long. Beispielablauf eines SV-Jahres) Beispielhaft wurden für die folgenden Seiten einzelne Themen herausgegriffen und der Fokus darauf gelegt, was die SV bei den betreffenden Themen selbst tun kann. Zudem wurden Schüler_innenvertretungen gefunden, die von ihren Erfahrungen mit einem konkreten Projekt, der Organisation einer Podiumsdiskussion, berichteten. Solltet Ihr auf die Erfahrungen anderer zurückgreifen wollen, so wird das Thema Vernetzung aktueller ( Vernetzung mit anderen Schüler_innenvertretungen).
Aufheben von Handyverboten Viele Schüler_innenvertretungen sahen sich in den letzten Jahren mit Forderungen nach einem Handyverbot in den Schulen konfrontiert. An vielen Schulen ist die Praxis erschreckend: Handys werden von Lehrkräften einfach eingezogen und teilweise erst Tage später zum Abholen bereitgestellt. Dass sich Lehrkräfte damit außerhalb des gesetzlichen Rahmens bewegen und sie außerdem für Beschädigungen in diesem Zeitraum haftbar sind, ist den meisten überhaupt nicht bewusst. Solltet Ihr an einer Schule sein, die ein weniger repressives Handyverbot hat oder an der ein Handyverbot geplant ist, so kommen diese Forderungen meist von der Lehrerschaft oder den Eltern und sind für einige „digital natives“ einfach nicht nachzuvollziehen. Was kann die SV dagegen tun?
Die SV entsendet vier Vertreter_innen in die Schulkonferenz. Die Schulkonferenz ist für die Veränderung der Hausordnung zuständig, in der auch der Umgang mit Handys geregelt wird. Ein einfacher Antrag dazu wäre vermutlich erst einmal nicht von Erfolg gekrönt, weil Lehrer_innen und Eltern zusammen die Mehrheit in der Konferenz bilden. Bevor es also zu einer Abstimmung kommt, bietet es sich an, eine große Kampagne dazu zu machen, sodass alle an der Schule aktiv darüber diskutieren. Möglich wären z. B. nacheinander: Umfragen in den Klassen, Flyer, eine Informationsveranstaltung, eine Vollversammlung, in der die Schülerschaft sich für eine konstruktive andere Regelung als ein Verbot ausspricht, Besuchen der Elternvertretung und der Gesamtkonferenz der Lehrkräfte (  Welche Rechte haben Schüler_innen und ihre gewählte Schüler_innenvertretung?) Ist dies alles geschehen und hat ein konstruktiver Dialog stattgefunden, sodass außerhalb der Schulkonferenz ein Kompromiss gefunden wurde, so kann ein Antrag in der Schulkonferenz erfolgversprechend sein. (  Welche Rechte haben Schüler_innen und ihre gewählte Schüler_innenvertretung?) Von Schüler_innen gesammelte Gegen-Argumente zum Handyverbot (  (Fair) Verhandeln) „Alle gucken nur noch auf die Bildschirme!“
Soziale Interaktion habe mit der Smartphone-Nutzung abgenommen: Dieses Argument ist eigentlich mehr eine Behauptung, denn Zahlen gibt es dazu nicht, und die eigene Wahrnehmung ist bekanntermaßen oft von Meinungen geprägt. Könnte die digitale Revolution nicht auch den von der Klasse Ausgegrenzten die Chance geben, sozialen Halt außerhalb der Klassengemeinschaft zu finden? „Die spielen doch immer irgendwas und ständig vibriert es irgendwo.“ In diesem Satz stecken eigentlich zwei Probleme: Einerseits die Störung des Unterrichts und die ist, auch ohne Handyverbot, im Allgemeinen in der Schulordnung der Schule geregelt. Außerdem wird die Teilnahme am Unterricht im Schulgesetz (§ 46) geregelt. Das andere bekannte Problem ist die fehlende Aufmerksamkeit für die Lehrkraft. Dafür kann es viele Gründe geben, von persönlichen Abneigungen bis zu systemischen Problemen. Das Smartphone allein dafür verantwortlich zu machen, reicht aber nicht. Vielmehr können diese technischen Neuerungen eine Chance für den Unterricht bedeuten und auf neue, spannende Wege Wissen vermitteln. Internetrecherche und Klassenblog sind nur zwei Möglichkeiten. „Überall Gewaltvideos und Pornos, unsere Jugend verroht!“ Auch wenn es die wenigsten Schulleitungen zugeben wollen: Fast alle Schulen haben ein Problem mit unzulässigen Videos, die über Smartphones innerhalb der Schule und Stadt verbreitet werden. Pornografisches Material und Gewalt (beides z. T. mit/von Mitschüler_innen) ist wirklich ein ernst zu nehmendes Problem im Klassenzimmer, aber zur Lösung dieses Problems taugt ein allgemeines Handyverbot nicht. Die Weitergabe und Herstellung dieser Videos ist in den meisten Fällen verboten und die Weitergabe an Minderjährige ohnehin (z. B. für pornografisches Material § 184 StGB) geregelt. Diese Vorfälle sind in der Regel ein Fall für die Polizei und medienpädagogische Maßnahmen. Ein Verbot verlagert das Problem allerdings nur aus dem Einflussbereich der Schule. „Ich möchte nicht von meiner Klasse gefilmt werden!“ Diese Angst kann jede_r verstehen. Doch das Klassenzimmer ist der Arbeitsplatz der Lehrkräfte und Filmen ist nur bedingt unzulässig. Dennoch gibt es bereits eine bundesweite Rechtsprechung, und es muss nicht durch ein allgemeines Handyverbot, das viel weiter geht, geregelt werden. Die Lösung kann also kein Verbot, sondern muss ein Dialog zwischen allen Akteuren an der Schule sein, an dessen Ende ein für alle vorteilhaftes Medienkonzept stehen kann. Wir müssen mit den neuen Medien umgehen lernen. Wo wäre das besser als in der Schule?
Eintreten gegen Mobbing Was ist eigentlich Mobbing?
Beim Mobben handelt es sich um ein Fehlverhalten von Menschen. Aber Achtung: Sicher hat jede_r schon dazu beigetragen, dass sich eine andere Person in einer Gruppe nicht so gut gefühlt hat. Vielleicht haben wir uns sogar unbewusst so verhalten. Von der Kita bis ins Seniorenheim, am Arbeitsplatz und im Verein, überall, wo Menschen über einen längeren Zeitraum als Gruppe zusammen sind, kann dieses Fehlverhalten auftreten. Der norwegische Gewaltforscher Dan Olweus definiert Mobbing so:
„Jemand wird gemobbt, wenn er wiederholt und über eine längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer Menschen ausgesetzt ist.“ Das heißt, beim Mobben gibt es immer ein Kräfteungleichgewicht. Meist ist eine Einzelperson diesen negativen Handlungen ausgesetzt. Das können mehr oder weniger heftige körperliche Attacken sein, wie Stoßen, Schlagen, Treten, etc. Möglich ist auch das Wegnehmen oder Beschädigen von Eigentum und Erpressung. Genauso schlimm können aber auch die Angriffe auf die seelische Verfassung eines Menschen sein. Die Person wird ausgegrenzt, wird beschimpft, beleidigt. Oft werden Gerüchte über eine Person verbreitet, sie wird in peinliche Situationen gebracht und per Handy oder Internet attackiert, bzw. lächerlich gemacht. Mobbing kann ganz unterschiedlich aussehen. Wichtig ist aber, wir reden erst über „mobben“, wenn die Attacken wiederholt und über einen längeren Zeitraum erfolgen. Mobbing ist kein sogenanntes Kavaliersdelikt. Mobbingopfer tragen oft langfristige gesundheitliche Schäden davon und vergessen meist ein Leben lang nicht diese einschneidende negative Erfahrung. Schüler_innen, die gemobbt werden, leiden nicht selten unter Leistungsabfall, die seelischen Beeinträchtigungen sind immens und führen bis hin zum Selbstmord. Das Hauptproblem beim Mobben ist das Nichtbeachten, das Wegsehen und die Angst, selbst Opfer von unangenehmen Übergriffen zu werden. Wer wird Mobbingopfer?
Häufig wird behauptet, die Person, die gemobbt wird, sei selbst schuld. Wer aber einmal begriffen hat, dass dies nur eine Schutzbehauptung von Täter_innen, Mitläufer_innen und der schweigenden Masse ist, der bzw. die ist schon ein ganzes Stück weiter. Wenn Menschen mehr oder weniger freiwillig eine Gruppe bilden, wird es immer mal wieder durch die Unterschiedlichkeit der Personen zu Konflikten kommen. In einer Gemeinschaft sind wir aufgefordert, aktiv nach Lösungen oder nach Kompromissen zu suchen, mit denen alle klarkommen können. Und wenn die am Konflikt beteiligten Personen dazu nicht in der Lage sind, ist die Gruppe aufgefordert, helfend mit einzugreifen. Es ist nie gerechtfertigt, dass Einzelne über einen längeren Zeitraum drangsaliert werden. Da läuft etwas falsch! Mobbingopfer kann jede_r von uns werden. Und Achtung: Es gibt sogenannte „passive Opfer“, die sich mehr und mehr zurückziehen, und es gibt auch „provozierende Opfer“, die mit Trotz und Aggressivität auf die Attacken von anderen reagieren. Gerade bei diesen wird versucht, ihnen in der „Öffentlichkeit“ die Schuld für die Situation zuzuschieben. Mobbing im Vorfeld verhindern:
Mobbing verhindert man am einfachsten, wenn es am Entstehen ist. Sozusagen präventiv. Versucht, die Probleme gleich zu lösen, auch Kleinigkeiten anzusprechen, die Ihr für nicht gerecht anseht. Vielen Jugendlichen und leider auch viel zu vielen Erwachsenen fehlt es an geeigneten Strategien, mit Konflikten und mit Stress umzugehen. Gewalt, körperliche oder seelische, ist dann die einfachste Methode, erst einmal zu reagieren. Nicht selten bekommt diese Gewalt eine Person ab, die gar nichts mit dem eigentlichen Konflikt zu tun hat. Wichtig ist, dass wir alle lernen, wie unterschiedlich man in bestimmten Situationen reagieren kann. Nur dann kann man auch überdenken, ob die eigenen Handlungen gut und angebracht waren und sich vielleicht Alternativen ausdenken und erproben. Oft genug führt Stress dazu, dass wir unser Gehirn einfach ausschalten. Hilfreich kann dann unser Umfeld sein, das uns entsprechende Signale gibt, wenn wir uns völlig unangebracht verhalten. Was kann jede_r Einzelne tun?
Wo es Mobbing gibt, herrscht ein Klima von Angst und Unsicherheit und eigentlich fühlen sich die meisten nicht wirklich wohl in dieser Gemeinschaft. Dabei kann jede_r dazu beitragen, die Situation zu verändern. Allerdings kommt man gegen Mobbing nur an, wenn man gemeinschaftlich handelt! Nicht wegsehen! Nicht isoliert, sondern in der Gemeinschaft handeln.
Hilfe dazu holen – innerhalb der Schule und/oder auch von außen. Überlegt, welche Erwachsene Euch helfen können: z. B. Vertrauenslehrer_innen, Schulsozialstation, Schuldirektion, Eltern, Elternvertreter_innen … Falls Ihr im Schulsystem keine Ansprechpartner_innen findet, gibt es in den Bezirken Beratungsstellen. Auch im Internet findet Ihr zahlreiche Anlaufstellen zum Thema Mobbing – auch von Jugendlichen für Jugendliche. Falls Ihr mit dem ersten Hilfeangebot nicht ganz zufrieden seid, scheut Euch nicht, weitere Expert_innen hinzuzuziehen. Nur wenn viele am gleichen Strang ziehen, lassen sich z. B. langwierige Mobbingfälle wieder „schlichten“. Mobbing ist kein unlösbares Problem, mit dem man leben muss. Jede_r in der Schule kann etwas beisteuern, um betroffenen Schüler_innen zu helfen, und vor allem, jede_r kann einen Beitrag leisten, dass Mobbing überhaupt nicht stattfindet. Was kann die SV gegen Mobbing tun? Ihr könnt Euch darum kümmern, dass das Thema ernst genommen wird und Einzelfälle nicht runtergespielt werden, Wissen zum Thema Mobbing allgemein vermittelt wird, z. B. durch Integration des Themas in den Unterricht,
ein gemeinsamer Verhaltenskodex und eine Kultur des respektvollen Umgangs vereinbart wird,
ein_e Antimobbing-Beauftragte_r ernannt wird und ein Streitschlichterkonzept vorliegt, Hilfsangebote zum Thema Mobbing in und außerhalb der Schulen über Aushänge für alle bekannt gemacht werden,
Stressabbau in Schule ermöglicht wird (Wo darf mal laut geschrien werden? Wo können sich Schüler_innen mal zurückziehen?),
die Klassen entsprechende Fortbildungen besuchen können. (  Träger, die SV Arbeit unterstützen)
Alle zusammen gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung Rechte Schüler_innen sind heute oft Alltag an Schulen in Berlin. Sie tragen Kleidermarken wie Thor Steinar oder von anderen „Szenemarken“ von Rechtsextremen für Rechtsextreme, um „Zugehörigkeit“ und „Stärke“ in der Öffentlichkeit zu demonstrieren. Mit Sprüchen gegen Mitschüler_innen anderer Herkunft und mit Ausgrenzung, Mobbing und Gewalt gegen Andersdenkende und alternative Schüler_innen, die als „Zecken“ denunziert und von ihnen ausgegrenzt werden, versuchen sie, das Klima in der Schule zu bestimmen. Viele Schüler_innen, aber auch Lehrer_innen und Schulleiter_innen sehen dem nicht tatenlos zu, wenn sich in ihrer Schule eine rechte oder eine diskriminierende Alltagskultur ausbreitet. Darüber hinaus gilt es auch, allen anderen Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts, der Herkunft, der Religion, der Hautfarbe, der sexuellen Orientierung oder aufgrund von Behinderungen deutlich zu widersprechen und dabei zu helfen, eine Schule frei von Diskriminierungen zu schaffen. Schüler_innen und Lehrer_innen, die sich gegen Rechtsextremismus und Diskriminierungen wehren wollen und diese Probleme (schul-) öffentlich benennen, werden dann manchmal auch als „Unruhestifter“ angesehen, die dem Ruf der Schule schaden könnten. Es gibt zum Glück aber viele Schulen, die diese Auseinandersetzung offensiv und offen angehen. Was kann die Schüler_innenvertretung tun?
Am wirkungsvollsten ist das dauerhafte gemeinsame Engagement von allen an der Schule Beteiligten, um das Ziel einer diskriminierungsfreien Schule ohne rechtsextremes Denken zu erreichen. Die Schulleitung, die Lehrer_innen und Sozialpädagog_innen, die Eltern und natürlich die Schüler_innen mit ihrer SV sollten dafür zusammenwirken. Die Schüler_innenvertretung hat hier eine wichtige Funktion. Sie hat die Möglichkeit, die Selbstorganisation der demokratischen und alternativen Jugendlichen an der Schule zu unterstützen und Lehrer_innen, Eltern und die Schulleiter_innen auf entsprechende Problematiken hinzuweisen. Projekttage, Veranstaltungen und Aktionen gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung kann die SV in der Schulkonferenz beantragen und umsetzen helfen. Eine SV, die für ein demokratisches und diskriminierungsfreies Klima in der Schule eintritt, hilft, eine rechte, diskriminierende und demokratiefeindliche Alltagskultur in der Schule zu verhindern. Die SV kann Folgendes fordern: Die Einbindung solcher Themen in den Unterricht
Klare und einheitliche Regelungen für rechtsextreme und diskriminierende Vorfälle (u. a. Hausordnung)
Dass das Thema ein Handlungsfeld im Schulprogramm der Schule wird
Eine dauerhaft arbeitende Gruppe von Lehrer_innen und Schüler_innen, die die Aktivitäten vorbereitet und koordiniert
Regelmäßige Aktivitäten an der Schule wie Projekttage, Filmtage und Lesungen
Die Zusammenarbeit mit Initiativen aus dem Stadtteil der Schule und anderen Projekten gegen Rechtsextremismus und Diskriminierungen Wo gibt’s Hilfe? (  Träger, die SV Arbeit unterstützen)
Schüler_innen, die etwas gegen Rechtsextremismus und Diskriminierungen tun wollen, werden in Berlin und Brandenburg nicht allein gelassen. Sie können Unterstützung von Projekten bekommen, die eigens dafür gegründet wurden. Mobile Beratungsteams unterstützen Jugendliche bei ihrem Engagement in ihren Schulen und Bezirken. Das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ hilft dabei, eine Diskussion in der ganzen Schule anzustoßen und über Jahre aktiv zu bleiben, und an den Berufsschulen unterstützt das Projekt „OSZ für Demokratie und Vielfalt“. Unterstützung und Beratung gibt es also. Man muss nicht vor rechten und diskriminierenden Schüler_innen zurückweichen. Viele erfolgreiche Schüler_inneninitiativen haben mal klein angefangen! Hinweis Kernpunkt der rechtsextremistischen Ideologie ist die Ablehnung der demokratischen Grundrechte für bestimmte Gruppen von Menschen. Zu den Grundrechten gehört die Menschenwürde, die freie Entfaltung und persönliche Unversehrtheit, der Gleichheitsgrundsatz, also die Nichtdiskriminierung wegen Hautfarbe, Nationalität, Religion oder ethnischer Zugehörigkeit. Zentrale Aussage dieser Ideologie ist das Abstreiten einer Existenzberechtigung fremd aussehender Menschen in der Bundesrepublik Deutschland. Grundsätzlich werden folgende gedanklichen Bestandteile einer rechtsextremen Einstellung zugerechnet: Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus, Intoleranz (Glaube an Recht durch Stärke und Diffamierung Andersdenkender), Militarismus, Verharmlosung der Verbrechen im Nationalsozialismus und das „Führertum“ (Unterordnung unter Autoritäten).
Umgang bei Problemen mit Lehrer_innen und der Schulleitung Viele Schüler_innen kennen es: Schwierigkeiten mit Lehrer_innen nehmen den Spaß und das Interesse an einem Schulfach oder schüren sogar Unbehagen beim Gedanken an die nächste Unterrichtsstunde. Die Probleme mit Lehrer_innen können vielfältig sein. Oft beginnen diese schon bei der Gestaltung des Unterrichts. Ein Unterrichtsstil, der nicht auf die Lernbedürfnisse der Schüler_innen abgestimmt ist, stellt ein häufiges Ärgernis dar. Schlecht vorbereiteter Lernstoff verwirrt und führt dazu, dass nur wenig hängen bleibt. Eine eintönige, unflexible Unterrichtsgestaltung mindert die Neugier für den Inhalt. Schlechte Erklärungen und zu hohes Tempo behindern das Verstehen von Zusammenhängen. Neben dem Recht auf Mitgestaltung des Unterrichts werden aber auch andere Schüler_inneninteressen und zum Teil sogar Schüler_innenrechte nicht beachtet. So fallen zum Beispiel Klassenfahrten oder interessante Exkursionen aus, weil die Lehrer_innen sich quer stellt. Klassensprecher_innen entstehen Nachteile aus der Abwesenheit vom Unterricht aufgrund einer GSV-Sitzung oder erhalten nicht die Möglichkeit, wichtige Angelegenheit im Rahmen einer Klassensprecher_innenstunde zu besprechen. Probleme mit Leistungskontrollen und Benotung sind ein weiterer Zündstoff für Auseinandersetzungen mit Lehrer_innen. Unfaire Noten, aber auch fehlende Chancen zur Verbesserung schlechter Leistungen lassen viele Schüler_innen verärgert resignieren. Nicht zuletzt sehen sich Schüler_innen zum Teil mit grobem Fehlverhalten der Lehrer_innen konfrontiert. Hierzu zählen zum Beispiel ungerechte oder unzulässige Strafen, Mobbing einzelner Schüler_innen und jegliche Aggression sowie Beleidigung, Diskriminierung und körperliche Belästigung. Klar ist: Ihr müsst nicht alles hinnehmen. Ihr habt die Möglichkeit, Situationen, die Euch stören, zu verändern. Seid mutig und sprecht Eure Probleme mit Lehrer_innen an! Um gemeinsam mit allen Beteiligten eine gute Lösung zu finden, kann es wichtig sein, folgende grundlegende Punkte zu berücksichtigen. Wichtig (  (Fair) Verhandeln) bleibt stets sachlich und konstruktiv
verhaltet Euch respektvoll, keine persönliche Beleidigungen
formuliert Kritik als Ich-Botschaft
sprecht Euer Anliegen klar und direkt an
nennt konkrete Situationen, in denen das Problem aufgetreten ist
seid selbstbewusst
sammelt Argumente für Eure Position, kennt Eure Rechte
bleibt offen für die Sicht der Gegenseite, denkt an Gegenargumente
bereitet einen eigenen, realistischen Lösungsvorschlag vor Es gibt verschiedene Ansprechpartner bei Problemen mit Lehrer_innen. Zuerst solltet Ihr jedoch immer das persönliche Gespräch mit den betreffenden Lehrer_innen suchen. Oft lassen sich so kleinere Auseinandersetzungen direkt und fair lösen. Habt Ihr so aber keinen Erfolg, könnt Ihr weitere Personen in die Problemlösung involvieren. Es empfiehlt sich dabei, die in der Grafik abgebildet Schritte und deren Reihenfolge einzuhalten. Probleme mit der Schulleitung
Bei Problemen mit der Schulleitung ist alles nur unwesentlich verschieden. Eure Schulleitung blockiert ungerechtfertigt Eure SV-Projekte oder legt Euch dauernd unnötig Steine in den Weg? Dann könnt Ihr einen ähnlichen Weg gehen, wie Ihr es bei den Lehrer_innen macht: Sucht das offene und konstruktive Gespräch mit Eurer Schulleitung. Dabei können Euch auch Eure Verbindungs- und SV-Lehrer_innen helfen. Sollten die Schwierigkeiten nicht aufhören, ist es sehr hilfreich, gut und genau Eure Mitbestimmungsrechte als SV zu kennen. Eine nähere Beschreibung hierzu findet Ihr im Kapitel 2 [Rechte von Schüler_innen]. Zum besseren Verständnis findet Ihr im Folgenden noch ein Beispiel: Gähnende Langeweile
Seit Beginn des neuen Schuljahrs hat Herr X den Geschichtsunterricht in der Klasse 9b übernommen. Die Schüler_innen sind unzufrieden, weil der Unterricht recht eintönig ist. Nun soll sich etwas ändern. Gemeinsam mit zwei anderen Schüler_innen spricht die Klassensprecherin Johanna das Problem bei Herr X an. Doch dieser winkt ab. Er möchte sich bei der Stundenplanung nicht von den Schüler_innen reinreden lassen. Johanna sucht daraufhin bei der Vertrauenslehrerin der Schule nach Rat. Diese bietet den Schüler_innen an, bei einem weiteren Gespräch mit Herrn X zu vermitteln. Außerdem weist sie die Schüler_innen auf ihr Recht auf eine Mitbeteiligung an der Unterrichtsgestaltung hin und empfiehlt ihnen, Vorschläge für einen spannenderen Unterricht vorzubereiten. Im folgenden Gespräch unterbreiten die Schüler_innen Herrn X ihre Vorschläge, den Geschichtsunterricht u. a. durch Gruppenarbeit abwechslungsreicher zu gestalten. Herr X erklärt sich bereit, von nun an mehr auf die Wünsche der Schüler_innen einzugehen und setzt erste Vorschläge in den darauffolgenden Stunden um. (   Das 1x1 der SV-Arbeit. Rechte von Schüler_innen und der Aufbau der Schüler_innenvertretung)
Alle gemeinsam: Engagement für eine inklusive Schule Traditionell ist das Schulsystem in Deutschland ein System der Abgrenzung und des Aussortierens. Andererseits war die Schule historisch auch die erste Institution, die den breiten Zugang zu Bildung ermöglichte. Seit es Schulen gibt, hat sich viel getan, und der nächste Schritt muss jetzt genommen werden: Inklusion. Inklusive Schule erkennt die Individualität jedes Kindes und die Verschiedenheit der Schüler_innen innerhalb einer Lerngruppe an und sieht darin eine Bereicherung. Derzeit wird diese Debatte besonders wegen der 2008 in Kraft getretenen UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen geführt in der Menschen mit Behinderung unter anderem weitreichende Rechte zur gesellschaftlichen Teilhabe zugesichert werden und gemeinsamen Unterricht fordert. Wie das funktionieren kann, beschreibt Sabine Reh (Professorin TU Berlin) so: „Während die Lehrerin schon vor Unterrichtsbeginn dem einen Schüler weiterführendes Material auf den Tisch gelegt hat, damit er, ein schneller und gut organisierter Schüler, sofort zügig weiterarbeiten kann, kümmert sie sich um die kaputten Hausschuhe, die der andere Schüler ihr zeigt. Dafür möchte er Aufmerksamkeit, dafür braucht er Rat, bevor er anfangen kann zu arbeiten. Und während gleichzeitig dem einen dieses und dem anderen jenes respektvoll angeboten wird, erkennt man zwar beide als Subjekte an, den einen als den Selbstständigen, der eigenständig lernt, den anderen als den Langsamen und Hilfebedürftigen, der Fürsorge und Unterstützung braucht. Und damit werden zugleich zwischen ihnen bedeutsame Unterschiede gemacht.“ Ziel ist also eine Klasse, in der die Schüler_innen nach ihren Fähigkeiten und Schwierigkeiten individuell gefördert und nicht nach ihrem Status behindert/nicht-behindert beschult werden. Dieses Modell kann man auch auf andere gesellschaftlich ausgegrenzte Gruppen beziehen und so ein Schulklima schaffen, in dem Jede_r individuell behandelt wird, aber allen die gleiche Wertschätzung zuteilwird. Dass durch die heterogenen Lerngruppen die Leistung vermindert wird und besonders begabte Schüler_innen nicht genug gefördert werden, ist zwar eine Gefahr, aber die Förderung von Fähigkeiten ist für alle wichtig und wissenschaftlich beweisen lässt sich diese Vermutung nicht. Dem gegenüber steht aber ein enormer Zuwachs an sozialen Kompetenzen. Diesen Prozess innerhalb der Schule zu steuern und auf den richtigen Weg zu bringen, kann eine Aufgabe für Schüler_innenvertretungen sein, denn innerhalb der Lehrer_innenschaften ist der Widerstand manchmal groß. Die Angst vor Überforderung und Veränderung ist ja bei der schlechten Ausstattung und der zu geringen Unterstützung durch die Ministerien (Senatsverwaltung) auch gut nachvollziehbar. Deshalb ist es wichtig, sich als Schule zu entwickeln, Fortbildungen durchzuführen und Konzepte zu erarbeiten. Doch Inklusion geht über die Schule hinaus. Die inklusive Gesellschaft schätzt ihre Unterschiede wert und profitiert von ihnen. Die Umwelt muss aber Barrierefreier werden. Leichte Sprache, Übersetzungen, Rampen statt Treppen, Braille. In der Welt der Arbeit muss noch viel getan werden. Denn die Vorurteile sind groß. Hinweis Hilfe bei der Schulentwicklung: http://www.eenet.org.uk/resources/docs/Index%20German.pdf
Berliner Verein für die Umsetzung von Inklusion: http://www.berlin-inklusion.de
Zum Weiterlesen: Friederike Heinzel, Annedore Prengel: Heterogenität als Grundbegriff inklusiver Pädagogik
Erfahrungsbericht: Organisation einer öffentlichen Podiumsdiskussion Was wollten wir erreichen?
Wir hatten bei unserer SV-Wahl das Ziel, eine Veranstaltungsreihe außerhalb des Unterrichts über Themen, die uns als Schüler_innen interessieren, an unserer Schule wieder aufleben zu lassen. Es standen Bundestagswahlen an und niemand von uns wusste so wirklich, was wir warum überhaupt wo wählen sollten, daher wollten wir eine Podiumsdiskussion mit Politiker_innen zu diesem Thema veranstalten. Planung
Ganz am Anfang stand die Idee, nun galt es, sie in die Wirklichkeit umzusetzen. So fanden wir uns in einem kleinen einen Arbeitskreis zusammen, der mit der Planung und der Organisation beauftragt war. Zuerst mussten grundsätzliche Fragen geklärt werden: Wann?
Die Veranstaltung sollte während der Schulzeit stattfinden. Schließlich war es ein wichtiges Anliegen von allgemeinem Interesse – hatten wir doch schon Menschen unter uns, die zum ersten Mal in ihrem Leben wählen gehen durften. Mit diesem Argument konnten wir unsere Schulleitung davon überzeugen, dass es eine verpflichtende Veranstaltung für die gesamte 11. und 12. Jahrgangsstufe und für diejenigen, die in der 10. Klasse den Leistungskurs Sozialkunde gewählt hatten, sein sollte. Darüber hinaus konnten wir ganze 4 Schulstunden ( = 3 Zeitstunden) dafür beanspruchen, da gerade die letzte Prüfungsphase vorbei war und die Sommerferien vor der Tür standen. Wie?
Wollen wir „richtige“, erwachsene Politiker_innen oder junge Menschen aus den Jugendorganisationen? Wir wollten junge, politische Menschen aus der Region, da sie näher an uns dran sind und die eine oder der andere vielleicht sogar persönlich bekannt ist. Wie schaffen wir es, das Ganze spannend und modern zu gestalten? Wir wollten Fragen aus dem Publikum und Wahlen vor und nach der Diskussion durchführen, deren Ergebnis wir via Beamer allen zeigten. Das sollte bewirken, die Schüler_innen aktiv einzubeziehen. Welche Jugendorganisationen laden wir ein? Das war eine der umstrittensten Fragen. Wir entschieden uns für die vier im Jahr 2013 großen Parteien: SPD, Grüne, FDP, CDU. Wir haben zuerst nach (ehemaligen) Schüler_innen unserer Schule gesucht, die parteipolitisch auf einer Ebene aktiv sind, dass sie ihre Jugendorganisation angemessen bei einer derartigen Veranstaltung vertreten können. Bei der SPD und der CDU ist das sehr schnell gelungen, sogar mit Vertreter_innen aus dem Umfeld der Schule. Bei FDP und Grünen haben wir einfach bei den Kreisbüros der Parteien angerufen und durchgegeben, welche Vorstellungen wir hatten, und bekamen so ebenfalls schnell Kontaktdaten. Generell sind Parteien dankbare Gäste, da sie die Chance bekommen, sich bei (künftigen) Wähler_innen und potenziellen Neumitgliedern zu präsentieren. Mit diesem Argument in der Hinterhand war es ein Leichtes, entsprechend unsere Vorstellungen und Wünsche bei den Parteien durchzusetzen. Wo?
Alles in allem waren es 300 Teilnehmende, die wir unterbringen mussten. Am besten eignete sich dafür unserer Turnhalle. Da wir auch die lokale und überregionale Presse einladen wollten, konnten wir unsere Schulleitung schnell dafür gewinnen, die Turnhalle für diese Veranstaltung zur Verfügung zu stellen. Schulleiter_innen sind, bei allem Respekt, meistens mit einem Argument für alles zu haben, was Ihr als SV wollt: Imagegewinn und eine gute Außendarstellung der Schule. Veranstaltungstag
Am Tag selber waren alle ungeheuer aufgeregt. Wir trafen uns bereits 2 Stunden vorher, um noch einmal alles durchzugehen. Eine Stunde vor Beginn kamen nach und nach die Jungpolitiker an unserer Schule an, die wir in der Bibliothek im Beisein unserer Schulleitung und der Presse empfingen; währenddessen wurden die Schüler_innen von ihren Lehrer_innen in die Halle geführt. Als alle Platz gefunden hatten, begrüßte unser Moderationsteam die Anwesenden und bat einen Jungpolitiker nach dem anderen auf das Podium. Die verschiedenen Diskussionen, die sich dort entwickelten, kamen vor allem wegen des Ansatzes, die Schüler_innen aktiv mit einzubeziehen, sehr gut an. Auch von den Jugendpolitikern, der Presse und der Schulleitung gab es durchweg positives Feedback. Resultat
Unsere Lösungsansätze liegen im Nachhinein vielleicht nahe aber über all diese und ganzen andere Fragen, haben wir untereinander heftig gestritten und uns nicht immer gut verstanden – vor allem, weil einige ihre Aufgaben nicht wahrgenommen haben. Wichtig war es aber, immer das Ziel vor Augen zu haben und zu verstehen, dass die Sache wichtiger ist als persönliche Belange. So waren wir unabhängig von anderen (Schulleitung, nervende Lehrer_innen etc.) und konnten selbst entscheiden. Natürlich war es anstrengend und zeitaufwendig. Dass sich aber sogar Schüler_innen aus dem Unterricht gestohlen und geschwänzt haben, um sich in die Turnhalle zu schmuggeln, in der die Podiumsdiskussion war, zeigt, dass wir etwas für die Schüler_innen erreicht hatten. Das war es wert.

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